Русские люди на грани

FOCUS Magazin | Nr. 42 (1993)
Interview
„Das russische Volk steht am Abgrund“
17.10.1993, 21:00 | FOCUS-Redakteur Stephan Sattler, FOCUS-Redakteur Rainer Schmitz

Alexander Solschenizyn, aus der UdSSR ausgewiesener Nobelpreisträger, im Gespräch mit FOCUS über die Lage in Rußland.
Kurz nach dem gescheiterten Putsch in Moskau besuchte Alexander Solschenizyn die FOCUS-Redaktion und gab dieses Exklusiv-Interview.
FOCUS: Wie haben Sie die Niederschlagung des Ruzkoj-Chasbulatow-Aufstands erlebt? Und wie bewerten Sie die jüngsten Vorgänge in Ihrem Vaterland, das Sie fast zwanzig Jahre nicht betreten haben?
Solschenizyn: Die Ereignisse, die gegenwärtig in Rußland stattfinden, werden im Westen als ein epochaler historischer Einschnitt gesehen. Dabei übersehen viele, daß Moskau nicht Rußland ist. In Moskau ist glücklicherweise ein Schritt auf dem Weg zur Befreiung vom Kommunismus getan worden. Aber wir wissen noch nicht, wie weit dieser Schritt gehen wird.
Das weite Land ist von den Moskauer Ereignissen kaum berührt. Die Menschen dort sind mit ihren eigenen Problemen beschäftigt. Im ganzen Land herrscht große Unzufriedenheit über die Art und Weise, wie die Reformen Jelzins und Gajdars durchgeführt wurden. Es gibt sehr viele Menschen, die in Armut geraten sind, die mit dieser Reform ihre Ersparnisse verloren haben. Alle sehen nur zu deutlich, wie ungewöhnlich korrupt der Regierungsapparat ist und wie gerissene Betrüger die unübersichtliche Lage ausnutzen und den Ausverkauf des Staatseigentums Rußlands betreiben.
Die Kardinalfrage lautet, ob die Ereignisse vom 3. und 4. Oktober nicht endlich eine gewisse Verbesserung für das Leben des russischen Volkes bringen.
FOCUS: Wie ist Ihr Urteil über Jelzin?
Solschenizyn: Er ist das geringste Übel in der derzeitigen Situation. Im Unterschied zu Gorbatschow ist Jelzin ein aufrichtiger Mensch. Er hatte den Mut, demonstrativ aus der kommunistischen Partei auszutreten, als sich andere noch nicht dazu entschließen konnten. Jelzin ist ein sehr impulsiver Mensch, steht aber unter großem Einfluß seiner zufälligen Umgebung.
Den Weg seiner Reformen hat er damit begründet, er hätte so schnell wie möglich handeln müssen und keine Zeit gehabt, einen anderen zu wählen. Sein früherer Innenminister Gajdar hat zugegeben, er habe nicht mit einem so inflationären Preisanstieg gerechnet. Offensichtlich ist der Weg der Reformen leichtfertig eingeschlagen worden.
Unter dem Einfluß seiner Kritiker und Gegner hat Jelzin sich zu vielen notwendigen Schritten nicht durch-ringen können. So hat er zum Beispiel 1991 keine der Entnazifizierung in Deutschland entsprechenden Maßnahmen gegen die Kommunisten getroffen. Es ist nicht bekannt, ob er sich jetzt dazu entscheiden kann.
Jelzin hat die Entwicklung zum Chaos im Land gefördert. Noch 1991 hat er erklärt, jeder solle sich soviel Macht nehmen, wie er wolle. Als zum Beispiel die Tataren und Baschkiren erklärten, sie wollten selbständig werden, gab er ihnen sofort mannigfaltige Unterstützung und Freiräume. Die Folge war: Die beiden Gebiete zahlen schon ein Jahr lang keine Kopeke in die zentrale Staatskasse. Natürlich ruft das in den anderen Gebieten Rußlands Verärgerung hervor. So etwas fördert das Chaos. Es gibt Hunderte von Erlassen, doch niemand hält sich daran.
FOCUS: Ideologische Regierungen – wie der Nationalsozialismus in Deutschland, der Faschismus in Italien – sind besiegt und die Länder befreit worden. Der Sozialismus sowjetischer Prägung als ein anderes ideologisches Regime ist in sich zusammen- gebrochen. Es gibt aber keine Erfahrung, wie man die Folgen dieses Regimes überwinden kann.
Solschenizyn: Stimmt, es gibt keine Erfahrung. Aber es gibt viele aufdringliche Berater. So hat der Internationale Währungsfonds Gajdars Regierung ständig zu falschen Entscheidungen gedrängt, obwohl er zu dieser Zeit keine ausreichende Kenntnis der Lage in Rußland besaß.
FOCUS: Jelzin hat Wahlen angekündigt. Sind demokratische Wahlen in der jetzigen Situation überhaupt schon sinnvoll?
Solschenizyn: Da die Wahlen festgelegt sind, werden sie wohl auch stattfinden. Es gibt sehr viele Parteien bei uns. Alle sind sehr schwach, und keine hat ein klares Parteiprogramm. Viele von ihnen bestehen wieder aus früheren Kommunisten.
Das Hauptproblem scheint mir zu sein: Unser Volk hat kein Rechtsbewußtsein, weiß nicht, welche Rechte es hat und wie es sie anwenden soll. Die Parteien wollen eine Listenwahl durchführen. Die Menschen können dann ihre Stimme nicht einer konkreten Person geben, sondern nur einer Partei. Die Partei wird dann bestimmen, wen der Wähler gewählt hat. Ich habe schon oft meine feste Überzeugung dargelegt, daß ich ein solches Wahlsystem für falsch und schädlich halte.
Ich meine, es darf nur direkte Wahlen geben. Zwischen Wählern und Abgeordneten muß sich so etwas wie ein Vertrauensverhältnis herstellen. Dabei muß man schrittweise vorgehen. Rußland muß erst mal in kleinen Territorien auf kommunaler Ebene lernen, Wahlen durchzuführen. Wenn man darin Erfahrungen gewonnen hat, kann man zur nächsthöheren Verwaltungseinheit, den Regionen, übergehen. Zum Schluß sollten vernünftigerweise Wahlen auf der höchsten Ebene der russischen Föderation durchgeführt werden.
FOCUS: Wie ist es bei dieser politisch diffusen Lage um die Bürger- und Menschenrechte bestellt?
Solschenizyn: Ich kann nur wiederholen: Auch dieser Weg muß schrittweise vollzogen werden, und zwar unbedingt von unten nach oben. Wenn so vorgegangen würde, ließen sich Wahlmanipulationen, zum Beispiel Stimmenkauf, unterbinden. Natürlich ist das ein langer Weg.
FOCUS: Wird dabei die Geduld des Volks nicht überfordert?
Solschenizyn: Darum sagte ich ja, es geht jetzt im entscheidenden nicht um das, was in Moskau geschah, sondern darum: Das ganze Volk ist durch den falschen Weg der Reformen, die allgemeine Käuflichkeit und die allgemeine Stehlerei an den Abgrund getrieben worden.
FOCUS: Der Westen hält wirtschaftliche und administrative Reformen für dringend notwendig. Gibt es aber nicht auch ein anderes brennendes Problem? Rußland befindet sich in einer Gründungsphase. Eine neue Verfassung muß das alte Regime ablösen. Aus welchem Geist soll sie geschaffen werden?
Solschenizyn: In einer Situation, in der das Rechtsbewußtsein des Volkes sich noch nicht entwickelt hat, spielt die Form der Verfassung eine drittrangige Rolle. An erster Stelle muß der Staatsbürger stehen, an zweiter die bürgerliche Gesellschaft, nicht umgekehrt. Den freien Staatsbürger schafft man nur, wenn das Recht auf Eigentum garantiert, seine Bürgerrechte geschützt und er keiner Willkür ausgesetzt ist.
Offensichtlich hat Jelzin seine ganzen guten Ergebnisse des April-Referendums eingebüßt, weil er sich mit der Verfassungsfrage sinnloserweise drei Monate herumgeschlagen hat. Tatsächlich steht der Frage der neuen Verfassung das Problem der Föderation im Wege. Solange die Regionen nicht vernünftig strukturiert sind, kann auch eine Verfassung auf der Ebene der Föderation die Sache nicht retten.
FOCUS: Wie bewerten Sie dabei das Erstarken von Nationalismus und Chauvinismus in Rußland?
Solschenizyn: Es besteht die falsche Vorstellung im Westen, der russische Chauvinismus sei stark. Richtig ist: Beim Zusammenbruch der Sowjetunion ist der Chauvinismus in verschiedenen Republiken sehr stark aufgeflammt. So in der Ukraine, Kasachstan, Aserbaidschan, Usbekistan, Moldawien. Bisweilen nimmt er bedrohliche Formen an. In der Ukraine gibt es sogar eine Organisation, die man mit den Stoßtrupps der Nazis vergleichen kann.
Daß der russische Nationalismus gegenwärtig nicht wie eine helle Flamme lodert, kann man daraus ersehen: Obwohl das russische Volk im letzten Krieg seinen Nachbarstaaten 25 Millionen Menschen opferte, hat es das ohne Protest hingenommen.
Im Gegenteil, Rußland droht zur Zeit der vollständige Verlust des nationalen Selbstwertgefühls. Die Russen bewegen sich darauf zu, ein gesichtsloses ethnisches Material zu werden.
FOCUS: Welche Zukunft hat Ihrer Meinung nach die russische Föderation?
Solschenizyn: Die staatliche Struktur Rußlands entspricht zur Zeit dem föderativen Prinzip, das Lenin oktroyiert hat. In Wirklichkeit ist Rußland aber keine Föderation. Denn Föderationen entstehen als Vereinigung von Kantonen oder Ländern.
Die leninsche Föderation wirkt sich gegenteilig aus. Große Teile unserer Föderation tragen den Namen nationaler Minderheiten, und es herrschen dort seit 1991 nationale Minderheiten; z. B. in Jakutien leben nur 33 Prozent Jakuten, aber es regieren Jakuten, in Baschkirien sind es nur 22 Prozent, aber es regieren Baschkiren, in Karelien sind es 10 Prozent. Dadurch ist in einer Reihe solcher Gebiete an die Stelle der Diktatur der Kommunisten die Macht von Minderheiten getreten, also kein demokratisches System. Hinzu kommt, daß die Minderheiten in den obersten Gremien der Republiken Stimmenmehrheit besitzen. In Rußland stellen die Russen zwar 80 Prozent der Bevölkerung, aber infolge dieses leninschen Prinzips können sie nicht in allen Republiken regieren.
Unter diesen Umständen ist es einfach ein Irrtum, heute von einer Gefahr des russischen Nationalismus zu sprechen. Ausbrüche des Nationalismus erleben wir in den Randgebieten, dort geht es bis zu kriegerischen Auseinandersetzungen.
FOCUS: Ist der Abzug der Wache vor dem Lenin-Mausoleum mehr als ein symbolischer Akt?
Solschenizyn: Es ist natürlich eine gute Entscheidung, daß die Ehrenwache vor dem Lenin-Mausoleum abgezogen worden ist. Doch überall in Rußland gibt es noch jede Menge Lenin-Denkmäler, und überall finden wir Symbole der kommunistischen Partei.
Aber genau darum geht es ja. Der Kommunismus hat die Menschen und den Staat 70 Jahre lang durchdrungen. Die Befreiung vom Kommunismus wird für Rußland sehr viel quälender sein, als es die Befreiung vom Nationalsozialismus für die Deutschen war. Sie hatten den Nationalsozialismus nur zwölf Jahre, und danach gab es die Entnazifizierung. Wir aber hatten den Kommunismus 70 Jahre lang, und eine entsprechende Bewältigung des Kommunismus hat es bisher nicht gegeben. Bei uns sitzen in den Zimmern der Behörden zur Zeit dieselben Menschen, die dort auch schon in der UdSSR gesessen haben, nur die Bezeichnungen der Funktionen und die Schildchen an den Türen haben sich geändert.
Unser gerade suspendiertes Verfassungsgericht hat vor einem Jahr festgestellt, die kommunistische Partei habe das Recht zu existieren. Nur das ZK dürfe nicht weiter bestehen. Stellen Sie sich doch mal vor, wenn bei Ihnen nach 1949 das Verfassungsgericht festgestellt hätte, die nationalsozialistische Partei dürfe weiter existieren, nur nicht die Führungsgruppe um Hitler.
FOCUS: Welche Rolle spielt heute der KGB?
Solschenizyn: Der KGB hat bis heute seine materielle Kraft behalten, seine Streitkräfte und seine Geheimwirtschaft. Praktisch ist er ohne Kontrolle. Es gibt viele Belege dafür, daß die Beschattungen und das Abhören in großem Umfang weitergehen. Da sich aber das Land unvermeidlich ändern wird, kann das auch nicht spurlos am KGB vorbeigehen.
FOCUS: Hat Wadim Bakatin als kurzfristiger KGB-Chef erste Veränderungen nicht bereits bewirkt?
Solschenizyn: Ja, meiner Ansicht nach unternahm er den richtigen Versuch einer allmählichen, von innen kommenden Veränderung des KGB. Er ist aber nicht gelungen. Nur gut drei Monate konnte er Chef des KGB sein, dann haben die Kommunisten ihn gestürzt.
FOCUS: Erfordert die postkommunistische Situation vor allem nicht auch eine geistige Neuorientierung?
Solschenizyn: Eine neue geistige Orientierung brauchen wir nicht erst seit dem Postkommunismus, sondern seit 1917.
FOCUS: Wenn es noch eine Intelligenzija gibt, woran sollte sie wieder anknüpfen? Welche geistigen Traditionen sollte sie revitalisieren?
Solschenizyn: Die Intelligenzija ist in der gleichen verlorenen Situation wie das russische Volk. Wir haben größte Schwierigkeiten, Menschen zu finden, die unter dem Kommunismus unabhängig geblieben sind. Man kann sie an den Fingern abzählen. Die Intelligenzija ist durchdrungen von kommunistischem Geist und handelt entsprechend.
Nachdem Gorbatschow die Glasnost einführte, verstanden es die Intellektuellen sieben Jahre lang nicht, mit der Meinungsfreiheit umzugehen. Sie unternahmen nicht das, was völlig natürlich gewesen wäre, nämlich einen Angriff auf den Kommunismus. Vielmehr haben sie sich innerhalb der einzelnen Gruppierungen zerstritten.
FOCUS: Sollte Rußland sich am Westen orientieren?
Solschenizyn: Rußland braucht nicht das westliche Marktwirtschaftsystem zu übernehmen. Ein solches System hat es schon vor dem bolschewistischen Umsturz gegeben, nämlich ein halbes Jahrhundert lang.
Es geht darum, eine richtige Synthese zu finden zwischen der westlichen Erfahrung und der russischen Tradition. Im Westen herrscht die Vorstellung, daß westliche Werte allgemeinmenschliche Werte sind. In Wirklichkeit steht dem ein integraler Pluralismus entgegen. Dieser umfaßt den Pluralismus vieler Welten – wie zum Beispiel auch Rußlands, Chinas, Indiens, Japans, ganz Afrikas, der islamischen oder der lateinamerikanischen Welt. Jede dieser Welten hat ihre eigene Tradition, jahrhundertealte Prägung, ihr eigenes System von Weltanschauungen und Ansichten.
Leibniz wie auch Goethe haben gesagt, ein wirklich vollkommener Mensch entstehe aus der Verbindung des östlichen und des westlichen Menschen.
FOCUS: Das große Interesse des Westens an Alexander Solschenizyn beruht darauf: Er war im Lager, er hat eine böse Krankheit überwunden, er hat sich durch seine schriftstellerische Arbeit von der kommunistischen Ideologie selbst befreit und am Untergang der Sowjetunion nie gezweifelt. Außer dem großen Romanzyklus „Das Rote Rad“, der zur Zeit auf deutsch erscheint, hat er Romane aus eigenem Erleben und Dokumentationen über den Gulag und das literarische Leben in der Sowjetunion geschrieben, den Nobelpreis dafür erhalten. Woher haben Sie Ihre Kraft genommen?
Solschenizyn: Den politischen Schliff und die Härte im Kampf gegen den Kommunismus habe ich natürlich in den Lagern bekommen. Voller Schrekken habe ich erlebt, was für großartige Geister dort zugrunde gingen. Von denen, die noch am Leben waren, bin ich geistig stark beeinflußt worden. Von ihnen empfing ich das Vermächtnis, über den Gulag nicht zu schweigen und mein Leben der Aufgabe zu widmen, über das zu berichten, was dort geschah.
In meiner Jugend wurde ich mit den geistigen Traditionen Rußlands vertraut gemacht. Viel erfuhr ich auch von denjenigen, mit denen ich eine Zelle teilen mußte. Später, als ich dann aus dem Lager kam, konnte ich mir Werke der russischen Philosophen beschaffen, die 1922 von Lenin ausgewiesen worden waren.
All das zusammen und die reiche russische Literatur des neunzehnten Jahrhunderts haben mich geprägt.
FOCUS: Vor sechs Jahren sagten Sie in einem Interview, daß Ihre Bücher nach Rußland zurückkommen würden. Jetzt, zwei Jahrzehnte nach Ihrer Ausweisung, werden Sie selbst nach Moskau zurückkehren.
Solschenizyn: Der Zeitpunkt meiner Rückkehr steht seit langem fest. Er ist festgelegt auf den Mai 1994. Er hängt einerseits vom Abschluß meiner literarischen Arbeiten ab, andererseits vom Ordnen meines Archivs und davon, ob das Haus, das wir uns in der Nähe von Moskau bauen, fertig ist.
Unser jetziger Aufenthalt ist also keineswegs eine Unterbrechung der Rückkehr nach Rußland, sondern gleichsam ein Abschied von Europa.
FOCUS: Gehen Sie mit einem Gefühl des Sieges nach Moskau? Oder werden Sie einen neuen Kampf führen müssen?
Solschenizyn: Natürlich steht mir ein neuer Kampf bevor, ein sehr schwerer Kampf. Ich fühle mich keiner politischen Bewegung im heutigen Rußland verbunden, keiner Partei, keiner politischen Persönlichkeit. Ich werde offen das sagen, was ich nützlich für Rußland halte. Und ich werde mich nicht darum kümmern, ob das jemandem gefällt oder nicht. Daher ist es sehr gut möglich, daß ich erneut in eine Lage gerate, die der früheren ähneln könnte. Vielleicht wird man mir die Möglichkeiten des öffentlichen Auftretens beschneiden . . .
FOCUS: Im Hinblick auf Ihre Rückkehr haben Sie geschrieben, daß die Russen heute in Rußland leiden und daß man ihnen helfen muß. Sie können Ihnen helfen als Schriftsteller und als politisch handelnder Mensch. Wie wird der Schriftsteller helfen?
Solschenizyn: Es ist mir sehr schwer zu sagen, in welcher Weise es mir gelingen wird, den Menschen dort zu helfen. Aber eines steht fest: Der ganze Sinn meiner Rückkehr besteht darin, mit allen mir möglichen Mitteln meinen Landsleuten in Rußland eine Hilfe zu sein.
Оригинал: www.focus.de
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Русские люди на грани
Александр Солженицын, изгнанный из СССР нобелевский лауреат, беседует с FOCUS о ситуации в России.
Вскоре после неудавшегося государственного переворота в Москве Александр Солженицын посетил редакцию FOCUS и дал это эксклюзивное интервью.
ФОКУС: Как вы пережили подавление восстания Руцкого-Хасбулатова? И как вы оцениваете недавние события на вашей родине, в которых вы не были почти двадцать лет?
Солженицын: События, которые в настоящее время происходят в России, рассматриваются на Западе как эпохальный исторический поворотный момент. Многие упускают из виду тот факт, что Москва не Россия. К счастью, Москва сделала шаг к освобождению от коммунизма. Но мы до сих пор не знаем, как далеко зайдет этот шаг.
На всю страну вряд ли повлияли московские события. Люди там озабочены своими проблемами. По всей стране наблюдается большое недовольство тем, как проводились реформы Ельцина и Гайдара. Есть много людей, которые попали в бедность, которые потеряли свои сбережения в результате этой реформы. Каждый может слишком ясно видеть, насколько необычно коррумпирован правительственный аппарат и как хитрые мошенники пользуются сложившейся ситуацией и распродают государственную собственность в России.
Основной вопрос заключается в том, принесут ли события 3 и 4 октября некоторое улучшение жизни россиян.
ФОКУС: Что вы думаете о Ельцине?
Солженицын: Он наименьшее зло в нынешней ситуации. В отличие от Горбачева, Ельцин искренний человек. У него хватило смелости демонстративно выйти из коммунистической партии, когда другие не могли решить. Ельцин очень импульсивный человек, но на него большое влияние оказывает его случайное окружение.
Он оправдал путь своих реформ, сказав, что ему следовало действовать как можно быстрее, и у него не было времени выбирать другое. Его бывший министр внутренних дел Гайдар признался, что не ожидал такого роста цен. Очевидно, путь реформ был взят легкомысленно.
Под влиянием своих критиков и противников Ельцин не смог сделать много необходимых шагов. Например, в 1991 году он не предпринял никаких мер против коммунистов, что соответствовало денацификации в Германии. Неизвестно, сможет ли он сейчас сделать это.
Ельцин способствовал хаосу в стране. В 1991 году он сказал, что каждый должен взять столько власти, сколько он хочет. Когда, например, татары и башкиры объявили, что хотят стать независимыми, он сразу же предоставил им разнообразную поддержку и свободу. В результате эти два района не платили ни копейки в казну центрального правительства в течение года. Конечно, это вызывает гнев в других регионах России. Это способствует хаосу. Есть сотни законов, но никто их не придерживается.
ФОКУС: Идеологические правительства - такие как национал-социализм в Германии, фашизм в Италии - потерпели поражение и страны были освобождены. Советский социализм как еще один идеологический режим рухнул. Но нет опыта того, как преодолеть последствия этого режима.
Солженицын: Да, опыта нет. Но есть много навязчивых советников. Международный валютный фонд постоянно призывал правительство Гайдара принимать неправильные решения, хотя в то время у него не было достаточных знаний о ситуации в России.
ФОКУС: Ельцин объявил выборы. Имеют ли смысл демократические выборы в нынешней ситуации?
Солженицын: Поскольку выборы назначены, они, вероятно, состоятся. У нас много партий. Все очень слабы, и ни у кого нет четкой программы для партий. Многие из них состоят из бывших коммунистов.
Мне кажется, что главная проблема заключается в следующем: наши люди не имеют юридической осведомленности, не знают, какие у них есть права и как они должны их применять. Партии хотят провести списочные выборы. Люди не могут голосовать за конкретного человека, но только за партию. Затем партия определит, за кого проголосовал избиратель. Я часто выражал твердое убеждение, что считаю такую избирательную систему неправильной и вредной.
Я имею в виду, что могут быть только прямые выборы. Что-то вроде доверительных отношений должно быть установлено между избирателями и депутатами. Вы должны продолжить шаг за шагом. Россия сначала должна научиться проводить выборы на небольших территориях на местном уровне. Если вы приобрели опыт в этом, вы можете перейти к следующей более высокой административной единице, регионам. Наконец, выборы на высшем уровне Российской Федерации должны быть разумно проведены.
ФОКУС: Каково это в этой политически разрозненной ситуации вокруг гражданских прав и прав человека?
Солженицын: Я могу только повторить, что этот путь тоже должен идти шаг за шагом, снизу вверх. Если бы это было сделано, избирательные манипуляции, такие как покупка голосов, были бы предотвращены. Конечно, это долгий путь.
ФОКУС: Терпение народа не перегружено?
Солженицын: Вот почему я сказал «да», сейчас важно не то, что произошло в Москве, а скорее: весь народ был загнан в пропасть неправильным путем реформ, общих закупок и общего воровства.
ФОКУС: Запад считает, что экономические и административные реформы крайне необходимы. Но разве нет другой острой проблемы? Россия находится в начальной стадии. Новая конституция должна заменить старый режим. Из какого духа это должно быть создано?
Солженицын: В ситуации, когда правовое сознание людей еще не развито, форма конституции играет третью роль. Граждане должны стоять на первом месте, гражданское общество - на втором, а не наоборот. Свободный гражданин может быть создан только в том случае, если право на собственность гарантировано, его гражданские права защищены, и он не подвергается произволу.
Очевидно, что Ельцин потерял все хорошие результаты апрельского референдума, потому что он провел три месяца, борясь с конституционным вопросом. На самом деле проблема Федерации стоит на пути к вопросу о новой конституции. Пока регионы не имеют должной структуры, конституция на уровне Федерации не может спасти этот вопрос.
ФОКУС: Как вы оцениваете укрепление национализма и шовинизма в России?
Солженицын: На Западе ошибочно полагают, что русский шовинизм силен. Действительно, когда распался Советский Союз, шовинизм очень сильно вспыхнул в разных республиках. Так в Украине, Казахстане, Азербайджане, Узбекистане, Молдавии. Иногда это принимает угрожающие формы. В Украине даже есть организация, которую можно сравнить с нацистской рейдерской партией.
Из этого видно, что русский национализм в настоящее время не пылает как яркий огонь: хотя русский народ пожертвовал 25 миллионам человек в соседние страны в прошлой войне, они приняли его без протеста.
Наоборот, Россия в настоящее время рискует потерять свою национальную самооценку. Русские стремятся стать безликим этническим материалом.
ФОКУС: Как вы думаете, какое будущее у Российской Федерации?
Солженицын: Государственное устройство России в настоящее время соответствует федеральному принципу, навязанному Лениным. На самом деле Россия не федерация. Потому что федерации возникают как ассоциация кантонов или стран.
Федерация Ленина имеет противоположный эффект. Значительные части нашей федерации называются национальными меньшинствами, и с 1991 года там проживают национальные меньшинства; например Например, в Якутии проживает только 33 процента якутов, но якуты правят, в Башкирии их всего 22 процента, а башкиры правят, в Карелии - 10 процентов. В результате власть меньшинств заняла место диктатуры коммунистов в ряде таких областей, а не в демократической системе. Кроме того, меньшинства имеют большинство голосов в высших органах республик. Русские составляют 80 процентов населения России, но из-за этого принципа Ленина они не могут править во всех республиках.
В этих условиях просто ошибочно говорить об опасности русского национализма сегодня. Мы наблюдаем вспышки национализма на окраинах, где он ведет к вооруженным конфликтам.
ФОКУС: Выход охранника из Мавзолея Ленина - больше, чем символический акт?
Солженицын: Это, конечно, хорошее решение, что почетный караул перед мавзолеем Ленина был снят. Но по всей России еще много памятников Ленину, и везде мы находим символы Коммунистической партии.
Но это именно то, о чем идет речь. Коммунизм пронизывал людей и государство на протяжении 70 лет. Освобождение от коммунизма будет гораздо более болезненным для России, чем освобождение от национал-социализма для немцев. У них был национал-социализм всего двенадцать лет, а затем произошла денацификация. Но у нас был коммунизм в течение 70 лет, и с коммунизмом еще не обращались должным образом. В настоящее время у нас есть те же люди в офисах органов власти, которые были там в СССР, только названия функций и надписи на дверях изменились.
Наш недавно приостановленный конституционный суд год назад постановил, что Коммунистическая партия имеет право на существование. Только ЦК не должен продолжать существовать. Представьте себе, если после 1949 года конституционный суд определил, что национал-социалистической партии было разрешено продолжать свое существование, а не группе лидеров вокруг Гитлера.
ФОКУС: Какую роль играет КГБ сегодня?
Солженицын: КГБ сохранил свою материальную мощь, свои вооруженные силы и секретную экономику по сей день. На практике это без контроля. Существует множество доказательств того, что затенение и подслушивание продолжается в больших масштабах. Но поскольку страна неизбежно изменится, она не может оставить КГБ без следа.
ФОКУС: Вадим Бакатин, как краткосрочный руководитель КГБ, еще не сделал первые изменения?
Солженицын: Да, по-моему, он сделал правильную попытку постепенно изменить КГБ изнутри. Но он не преуспел. Он мог быть главой КГБ только в течение хороших трех месяцев, когда коммунисты свергли его.
ФОКУС: Разве посткоммунистическая ситуация не требует умственной переориентации?
Солженицын: Нам не нужна была новая духовная ориентация со времен посткоммунизма, а с 1917 года.
ФОКУС: Если интеллект все еще существует, на что он должен опираться снова? Какие духовные традиции следует возродить?
Солженицын: Интеллигенция находится в той же утраченной ситуации, что и русский народ. Нам очень трудно найти людей, которые остались независимыми при коммунизме. Вы можете сосчитать их на пальцах. Интеллигенция пронизана коммунистическим духом и действует соответственно.
После того, как Горбачев ввел гласность, интеллектуалы не понимали, как бороться со свободой выражения мнений в течение семи лет. Они не делали то, что было бы совершенно естественно, а именно нападение на коммунизм. Скорее, они поссорились в отдельных группах.
ФОКУС: Должна ли Россия ориентироваться на запад?
Солженицын: России не нужно перенимать западную систему рыночной экономики. Такая система существовала за полвека до большевистской революции.
Речь идет о поиске правильного синтеза между западным опытом и русской традицией. Идея на Западе заключается в том, что западные ценности являются универсальными ценностями. В действительности это противоречит интегральному плюрализму. Это охватывает плюрализм многих миров - таких как Россия, Китай, Индия, Япония, вся Африка, исламский или латиноамериканский мир. Каждый из этих миров имеет свою традицию, многовековой характер, свою систему мировоззрений и взглядов.
Лейбниц, как и Гете, сказал, что по-настоящему совершенное человеческое существо возникает из сочетания восточного и западного человека.
ФОКУС: Большой интерес Запада к Александру Солженицыну держится на этом: он был в лагере, он преодолел злую болезнь, он освободился от коммунистической идеологии благодаря своей литературной работе и никогда не сомневался в распаде Советского Союза. В дополнение к большому романному циклу «Красное колесо», который в настоящее время публикуется на немецком языке, он написал романы из собственного опыта и документальные фильмы о ГУЛАГе и литературной жизни в Советском Союзе и получил за это Нобелевскую премию. Откуда ты взял силы?
Солженицын: Конечно, я получил политический контакт и жесткость в борьбе с коммунизмом в лагерях. Я был в ужасе, увидев, какие великие духи погибли там. На меня большое влияние оказали те, кто еще был жив. Я получил от них наследие не молчать о ГУЛАГе и посвятить свою жизнь работе по освещению того, что там произошло.
В юности я познакомился с духовными традициями России. Я также многому научился у тех, с кем мне приходилось делить камеру. Позже, когда я вышел из лагеря, мне удалось получить произведения русских философов, которые были высланы Лениным в 1922 году.
Все это вместе и богатая русская литература XIX века сформировали меня.
ФОКУС: Шесть лет назад вы сказали в интервью, что ваши книги вернутся в Россию. Теперь, спустя два десятилетия после того, как вы были депортированы, вы сами вернетесь в Москву.
Солженицын: Время моего возвращения уже давно определено. Он назначен на май 1994 года. С одной стороны, это зависит от завершения моей литературной работы, с другой - от организации моего архива и от того, готов ли дом, который мы строим под Москвой.
Таким образом, наше нынешнее пребывание - отнюдь не прерывание возвращения в Россию, а своего рода прощание с Европой.
ФОКУС: Вы едете в Москву с чувством победы? Или вам придется сражаться в новом бою?
Солженицын: Конечно, я столкнулся с новым, очень сложным боем. Я не чувствую себя связанным ни с каким политическим движением в России сегодня, ни с какой-либо партией или политической личностью. Скажу откровенно, что я считаю полезным для России. И мне все равно, нравится это кому-то или нет. Поэтому вполне возможно, что я окажусь в ситуации, которая может быть похожей на предыдущую. Возможно, я буду отрезан от возможностей публичных выступлений.
ФОКУС: Что касается вашего возвращения, вы написали, что русские сегодня страдают в России и что им нужно помочь. Они могут помочь вам как писателю и как политически активному человеку. Как писатель поможет?
Солженицын: Мне очень сложно сказать, как я смогу помочь людям там. Но ясно одно: весь смысл моего возвращения состоит в том, чтобы помочь моим соотечественникам в России всеми возможными средствами.
См. также:

- Stephan Sattler // de.wikipedia.org
Stephan Sattler (* 1947 in Taching am See) ist ein deutscher Journalist. Von 1992 bis 2010 war er Leiter des Kulturressorts beim Focus. Seitdem ist er als Editor-at-Large tätig.
Leben
Sattler wurde in Oberbayern geboren. Er ist der Sohn des Architekten Dieter Sattler; sein Bruder Christoph Sattler ist ebenfalls Architekt. Stephan Sattler besuchte Schulen in Rom, München und Bad Godesberg. Nach dem Abitur 1966 studierte er von 1966 bis 1973 Politische Wissenschaft, Philosophie, Geschichte und Amerikanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität München (M.A. 1973 über Girolamo Savonarola)[1] sowie in London und Paris. 1975 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter an die Universität Duisburg-Essen und 1976 an der Hochschule der Bundeswehr Hamburg. 1980 wurde er Verlagslektor beim Carl Hanser Verlag in München. 1985 wechselte er zu Burda, wo er in der Deutschland-Redaktion der Illustrierten Bunte arbeitete und die Gastkolumne Brennpunkt verfasste. 1988 wurde er geschäftsführender Redakteur der Kunst- und Kulturzeitschrift Pan. Von 1992 bis 2010 war er Gründungsmitglied und Leiter des Kulturressorts beim Nachrichtenmagazin Focus. 2010 wurde er Editor-at-Large bei der Hubert Burda Media.[2]
Er war Mitglied der Jury des Kulturellen Ehrenpreises der Landeshauptstadt München[3] und Beiratsmitglied des M100 Sanssouci Colloquium.[4] 2006 wurde er Fellow des Centrum für angewandte Politikforschung (CAP).[5]
Er ist verheiratet mit der Literaturwissenschaftlerin und Journalistin Rachel Salamander und lebt in München.
Weblinks
• Artikel von Stephan Sattler (Focus)
Einzelnachweise
1. Gabriele von Sivers, Ulrich Diehl (Hrsg.): Wege zur politischen Philosophie. Festschrift für Martin Sattler. Königshausen & Neumann, Würzburg 2005, ISBN 3-8260-3199-7, S. 460.
2. Stephan Sattler (Memento des Originals vom 14. März 2014 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis. bei Cicero
3. Hilmar Hoffmann: Erinnerungen. „Ihr naht Euch wieder, schwankende Gestalten“ (= Suhrkamp-Taschenbuch, 3284). Suhrkamp, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-518-39784-2, S. 428.
4. Stephan Sattler, M100 Sanssouci Colloquium (Archiv), abgerufen am 14. März 2014.
5. Stephan Sattler, Centrum für angewandte Politikforschung, abgerufen am 14. März 2014.
- 28.03.2022 "Надо вступаться за Россию, а то затравят нас вконец" // «Российская газета»
Когда автор "Архипелага ГУЛАГ", конвоированный в изгнание в 1974 году, понял, что критика Запада направлена не против коммунизма, а против России, он стал там "неудобным диссидентом". Знаменитая Гарвардская речь, произнесенная писателем в 1978 году на ассамблее выпускников о том, что "западный образ существования все менее имеет перспективу стать ведущим образцом", стала бурно обсуждаемой и на долгие годы самой цитируемой. Как потом напишет автор "Красного колеса": "угодило зёрнышко промеж двух жерновов". Как же складывались отношения Солженицына и Запада?

Когда пророк понял...